Ist Mantelzorg Pflicht?

In den Niederlanden kümmern sich täglich mehr als vier Millionen Menschen um ihre hilfsbedürftigen Partner und Partnerinnen oder um ihre Angehörigen. Früher oder später wird fast jeder mit Mantelzorg konfrontiert. flegen Sie einen Ihnen nahestehenden, pflegebedürftigen Menschen? Oder benötigen Sie selbst Unterstützung aufgrund einer Beeinträchtigung oder einer lang andauernden Erkrankung? Dann wenden Sie sich meist an die Gemeinde, in der Sie wohnen. Oft wird dort appelliert Ihr soziales Netzwerk in Anspruch zu nehmen. Seit 2015 bestimmt die Gemeinde, ob und wie viel Pflege Sie erhalten dürfen. Dieser Artikel beantwortet Ihnen die Frage: Ist Mantelzorg Pflicht?

Ist Ihr soziales Netzwerk verpflichtet, sich um Sie zu kümmern?

Nein, Ihr Partner / Ihre Partnerin, Angehörige, Freundeskreis oder Nachbarn sind nicht verpflichtet, Ihnen zu helfen. Niemand in Ihrer Umgebung ist verpflichtet, Mantelzorg zu leisten. Dies ist im Gesetz über die gesellschaftliche Unterstützung (Wet maatschappelijke ondersteuning, abgekürzt Wmo) festgelegt. Diese Pflicht besteht jedoch für die Gemeinde, in der Sie wohnen.

Doch bevor die Gemeinde Ihnen die benötigte Pflege anbietet, hat sie das Recht herauszufinden, ob es in Ihrem sozialen Netzwerk Personen gibt, die Sie unterstützen könnten. Stellt die Gemeinde fest, dass die Mantelzorg von Ihrem sozialen Umfeld geleistet werden kann und weniger Hilfe von der Gemeinde benötigt wird? Dann ist die Gemeinde verpflichtet, Ihren Mantelzorger oder mehrere Mantelzorger zu unterstützen.

Der Richter entscheidet

Die Gemeinde Olst-Wijhe wollte eine Mutter zu unentgeltlicher Mantelzorg für ihren erwachsenen Sohn, der bei ihr wohnte, verpflichten. Der Sohn litt an Schizophrenie. Der Richter entschied 2017, dass diese Verpflichtung nicht zulässig ist. Der Sohn darf sein persönliches Budget (persoonsgebonden budget, abgekürzt pgb) behalten. Mit diesem Geld kann er seine eigenen Pflegekräfte und auf Wunsch auch seine Mutter bezahlen.
Die Gemeinde Etten-Leur wollte eine Tochter zwingen den Haushalt ihrer Mutter zu übernehmen – unbezahlt, als Mantelzorger. Mutter und Tochter wohnen nicht im selben Haus. Der Richter entschied, dass das nicht zulässig ist.

Eine Gemeinde kann bei jedem Antrag auf Pflegeleistungen prüfen, ob Mantelzorger zur Verfügung stehen. Die Gemeinde darf jedoch nicht zur Mantelzorg verpflichten. Schließlich aber hat jeder das Recht auf eine angemessene Pflege.

Verpflichtung zur üblichen Pflege

Es ist jedoch gesetzlich festgelegt, dass Menschen verpflichtet sind, sich gegenseitig die „übliche Pflege“ zu gewähren. Was genau bedeutet es, die übliche Pflege zu leisten?
Wir geben ein Beispiel: Ein Ehepaar beantragt bei der Gemeinde eine Haushaltshilfe mit der Begründung, dass die Ehefrau an einer lang andauernden Erkrankung leidet. Solange der Partner der Frau bei guter Gesundheit ist und die Hausarbeit selbst erledigen kann, bietet die Gemeinde keine Haushaltshilfe gemäß dem Gesetz über die gesellschaftliche Unterstützung (Wmo) an.

Quelle: Rijksoverheid (Niederländische Behörde)

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